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Theologische Konsultation der Mar-Thoma Kirche und der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union

Nachdem in den letzten Jahren mehrere Besuche und Begegnungen zwischen Bischöfen der Mar-Thoma-Kirche und der altkatholischen Kirchen der Utrechter Union stattgefunden hatten, fand vom 7. bis 11. November 2011 im Santhigiri Ashram, Alwaye, Kerala, Indien, im Rahmen eines Prä-Dialogs zwischen den beiden Kirchen eine theologische Konsultation statt. Drei altkatholische Delegierte, nämlich Bischof Johannes Okoro, Prof. Peter-Ben Smit und Dr. Adrian Suter, trafen sich zum theologischen Gespräch mit einer fünfköpfigen Delegation der Mar-Thoma-Kirche, welche neben drei Theologen des theologischen Seminars der Mar-Thoma-Kirche auch die Bischöfe Dr. Zacharias Mar Theophilos (Suffraganmetropolit) und Dr. Isaac Mar Philoxenos umfasste.

Die Themen, welche die Konsultation behandelte, waren Ekklesiologie, Taufe und Eucharistie. Von altkatholischer Seite hielt Prof. Smit einen Vortrag zur Ekklesiologie, während Dr. Suter über das Verständnis von Taufe und Eucharistie referierte. Von der Mar-Thoma Kirche sprach Dr. K. G. Pothen in zwei Vorträgen über das Kirchen- und Eucharistieverständnis, Rev. Sam Koshy über die Taufe.

Dr. Pothen zeigte die Ekklesiologie der Mar-Thoma-Kirche aus ihrer geschichtlich gewachsenen Identität auf. Er erläuterte die Wurzeln der Kirche in der Thomas-Tradition und in der syrisch-orthodoxen Kirche, mit der grossen Bedeutung der syrischen Kirchenväter. Weiter sprach er vom jakobitischen Einfluss während der portugiesischen Kolonialzeit und von der Emanzipation davon in der Reformation, welche die Kirche unter anglikanischem Einfluss durchführte. Prof. Smit legte seinen Ausführungen in erster Linie das Statut der Internationalen Bischofskonferenz zu Grunde. Er zeigte auf, wie sich das bischöflich-synodale Kirchenverständnis der altkatholischen Kirchen in diesem Rechtstext niederschlägt. Dr. Suter erläuterte zunächst generelle Charakteristika altkatholischen Sakramentenverständnisses, um dann bei Taufe und Eucharistie jeweils die Grundcharakteristika des Sakraments, gängige theologische Kontroversen (und die altkatholische Haltung dazu) sowie praktische Fragen zu thematisieren. Rev. Koshy zeigte die Bedeutung bestimmter Elemente und Symbole der Taufe anhand der Taufliturgie der Mar-Thoma-Kirche auf. Theologisch betonte er die Aufnahme in Nachfolge und Jüngerschaft, welche durch die Taufe geschieht. Zur Eucharistie in der Mar-Thoma-Kirche, die dort in syrischer Tradition „Holy Qurbana“ gennnt wird, durften die Delegierten nicht nur einen Vortrag von Dr. Pothen hören, sondern auch an einer Feier teilnehmen, die von Bischof Philoxenos geleitet wurde. Besonders deutlich wurde dabei die Verbindung von Sündenvergebung und Eucharistie.

Auf jeden Vortrag folgte eine Zeit der Rückfragen und der Diskussion. Die generelle Erfahrung war, dass sich jede Delegation in den Ausführungen der anderen sehr leicht wiederfinden konnte. Die Referierenden durften Lob für ihre Ausführungen ernten, insbesondere von den Delegierten der jeweils anderen Kirche. Über die Differenzen in der Ausdrucksweise hinweg, die es natürlich gab, war die Einigkeit in sachlichen Belangen offensichtlich, worüber die Delegierten hochzufrieden waren. Dies gilt umso mehr, als die gewählten Themen im ökumenischen Dialog erfahrungsgemäss oft zu Kontroversen Anlass geben – bei dieser Konsultation war dies erfreulicherweise nicht der Fall.

Neben den Schwerpunktthemen, zu denen Referate gehalten wurden, gab es Diskussionen zu einer Reihe weiterer Fragen, die sich an den vorbereiteten Themen entzündeten. Dazu gehörten so unterschiedliche Fragen wie das christologische Dogma, die Frauenordination, die Heiligenverehrung und das Verhältnis von Schrift und Tradition. Zu diesen Themen werden an zukünftigen Konsultationen vertiefte Gespräche nötig sein, doch war schon der erste Meinungsaustausch an dieser Konsultation sehr ermutigend: Bestehende Divergenzen in diesen Themenkreisen scheinen geringer als zunächst vermutet, Unterschiede in der Praxis sollten, so der Eindruck der Konsultation, die Gemeinsamkeit in den theologischen Überzeugungen nicht in Frage stellen. Wo es unterschiedliche Standpunkte gibt (und solche gibt es, wie wir wissen, auch innerhalb der Utrechter Union), so war die Konsultation doch überzeugt, dass sich diese nicht als kirchentrennend erweisen würden.

Ein weiterer Gesprächspunkt waren Ziele und Methoden des ökumenischen Dialogs. Die in den Diskussionen gefundenen sachlichen Gemeinsamkeiten zeigen, dass eine – im weiteren Dialog genauer zu umschreibende – kirchliche Gemeinschaft ein erstrebenswertes und realistisches Ziel ist. Was die Methodik des Dialogs angeht, so empfiehlt die Konsultation den Austausch offizieller und theologisch repräsentativer Dokumente und Schriften, sowie das Gespräch im Rahmen einer gemeinsamen Dialogkommission.

Eine wichtige Einsicht der Konsultation ist, dass das Interesse an einem ökumenischen Dialog auf Gegenseitigkeit beruht. Die hochkarätige Zusammensetzung der Mar-Thoma-Delegation, ihre seriöse inhaltliche Vorbereitung und das lebhafte Interesse an der Diskussion mit uns Altkatholiken zeigte, dass die Mar-Thoma-Kirche ein echtes und ernsthaftes Interesse an einem gemeinsamen ökumenischen Weg mit den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union hat. Die altkatholischen Delegierten waren der Meinung, dass dieser ökumenische Weg auch im Interesse der Utrechter Union liegt, die sich in einer globalisierten Welt auch noch stärker als bisher über den europäischen Kontext hinaus vernetzen sollte. So gibt die Konsultation in ihrer gemeinsamen Abschlusserklärung die Empfehlung ab, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt und das theologische Gespräch zu weiteren Themen, darunter den oben genannten, vertieft werden soll.

Dr. Adrian Suter

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