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Internationale Altkatholische Bischofskonferenz: Herbst-Communiqué 2015

Reflexion über die „Kompatibilität“ der bisherigen zwischenkirchlichen Beziehungen und der bilateralen Dialoge als Dienst an der Einheit

Auf ihrer planmässigen Jahreskonferenz im Juni 2015 in Prag / Tschechien beschloss die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz (IBK) eine Kirchengemeinschaft mit der Kirche von Schweden.

Sie befasste sich gleichzeitig mit ihren zwischenkirchlichen Beziehungen und bilateralen Dialogen in einer Gesamtschau. Vertieft wurde dies durch eine interne Tagung im August 2015 in Amersfoort NL, zu der alle altkatholischen Mitglieder der Dialogkommissionen eingeladen waren. Es stellte sich die Frage, wie die Prioritäten zu setzen sind unter theologischen, kirchenpolitischen und finanziellen Aspekten und welche ökumenische Aufgabe der Utrechter Union heute besonders zukommt. Am Ende dieser Tagung wurde der Wunsch geäussert, eine solche Zusammenkunft regelmässig abzuhalten.

Für die IBK sind folgende Grundsatzüberlegungen wichtig:

  • Nach wie vor stehen ekklesiologisch im Hinblick auf das Einheits- und Strukturmodell der sogenannten Alten Kirche die orthodoxen Kirchen (1987) und die anglikanischen Kirchen (1931) der Utrechter Union am nächsten. Bereits 1931 kam es zu einer Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern weltweit, ohne dass bisher die anfangs ausgeklammerte Frage der sogenannten „overlapping jurisdictions“ gelöst werden konnte. Der 1987 mit den orthodoxen Kirchen abgeschlossene Dialog auf Weltebene mit dem Ziel der Kirchengemeinschaft konnte bis heute nicht realisiert werden, da die orthodoxen Kirchen Bedenken erhoben sowohl gegen die bestehende Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern als auch gegen die Frauenordination bei Altkatholiken und Anglikanern. Gleichzeitig scheint auf orthodoxer Seite in der derzeitigen Phase des orthodox-anglikanischen Dialogs auf Weltebene diese Frage nicht mehr als Glaubensfrage eingestuft zu werden. Daher bietet sich eine Klärung zu Dritt an.
  • Hinzu kommen im Kontext der Globalisierung andere autonome katholische Kirchen. Nachdem bereits 1965 eine Kirchengemeinschaft mit der Philippinisch Unabhängigen Kirche und 2015 mit der Kirche von Schweden erzielt wurde, steht nun die Mar Thoma Kirche in Indien (Malankara Mar Thoma Syrian Church) im Fokus. Die IBK wird voraussichtlich auf ihrer regulären Tagung 2016 eine Kirchengemeinschaft mit der Mar Thoma Kirche beschliessen, insofern bis dahin die jeweils innerkirchlichen Rezeptionsprozesse abgeschlossen sind.
  • Auf einer anderen Ebene liegen der Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche auf Weltebene und der lokale Dialog der Altkatholischen Kirche Deutschlands mit der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).
  • In den nächsten Jahren sollen keine weiteren Dialoge begonnen werden, sondern statt dessen die vorhandenen zwischenkirchlichen Beziehungen und ökumenische Dialoge unter folgenden drei Gesichtspunkten geklärt und vertieft werden:

1. Inwieweit stimmen die bisher erreichten Ergebnisse inhaltlich wirklich überein? Welche Modifikationen in den verschiedenen Beziehungen und Texten bedürfen einer gemeinsamen Klärung aller Beteiligten? Z.B. sind die ersten 3 Ökumenischen Konzilien für eine „gemeinsame Kirche“ konstitutiv? Oder die ersten 4 oder die ersten 7?

2. Eigentlich müssten zwei Kirchen, die miteinander Kirchengemeinschaft geschlossen haben und durch Migration auf dem gleichen Territorium vorkommen, daraus „strukturelle Konsequenzen“ ziehen. Inwieweit ist dieser Wille und dieses Ziel wirklich vorhanden und unter kulturellen Aspekten sinnvoll bzw. im Hinblick auf die bisher erzielten Konsenstexte überhaupt möglich?

3. Inwieweit stellen neue ethische Fragen die bisher erzielten Übereinstimmungen in Frage, wie z.B. der Umgang mit Gleichgeschlechtlichkeit und die Bedeutung von Ehe und Familie heute?

Die IBK ist überzeugt, dass diese Reflexion und ihre Ergebnisse für andere Dialoge und zwischenkirchliche Beziehungen von grosser Relevanz sind.

 

Bern und Utrecht, im Oktober 2015

 

Bischof Dr. Harald Rein, Sekretär der IBK

 

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