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Communiqué der Sitzung der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz (IBK) in Amersfoort/NL 2011

Die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz tagte dieses Jahr in den Niederlanden. Im Anschluss an ihre Konferenz trafen sich die altkatholischen Bischöfe mit den anglikanischen Bischöfen, die für das europäische Festland zuständig sind zum jährlichen Gedankenaustausch und liessen es sich nicht nehmen, gemeinsam die Gastvorlesung der Präsidierenden Bischöfin der Amerikanischen Episkopalkirche, The Most Rev. Katharine Jefferts Schori, zu besuchen. Hauptthemen der Bischofskonferenz waren unter anderem die Finanzen und die bilateralen Beziehungen mit verschiedenen Kirchen.

Es ist bereits seit einiger Zeit deutlich, dass auch die IBK sparen muss. Dies wurde im Frühjahr auch mit den Leitungsorganen der verschiedenen altkatholischen Kirchen besprochen. Die dort besprochenen Lösungsansätze wurden nun von der Konferenz in die Praxis umzusetzen versucht. Alte und neue Projekte der IBK werden aus der laufenden Rechnung herausgenommen und müssen von nun an durch Spenden und Drittmittel finanziert werden. Die Kosten für die Delegatsgebiete werden nur noch über den neu errichteten Missionsfonds abgerechnet. Trotz dieser Massnahmen wird die laufende Rechnung durch die bereits abgesprochenen Dialoge und internationalen Konferenzen sehr belastet, und es muss auch dieses Jahr ein Defizit in Kauf genommen werden.

Die Orthodox-Altkatholische Gesprächsgruppe organisiert dieses Jahr zwei Angebote, die es unterschiedlichen Gruppen ermöglichen sollen, die jeweils andere Kirche besser kennen zu lernen. Im Frühling fand ein gemeinsames Seminar von orthodoxen und altkatholischen Theologiestudierenden statt und im Herbst ist eine Reise nach Kreta geplant, die Kirchenmitgliedern das Erleben einer orthodoxen Kirche vor Ort bieten soll. Auch ein Besuch der Gesprächsgruppe beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel ist geplant.

Die Bischofskonferenz beschäftigte sich auch mit dem Text der Internationalen Römischkatholisch – Altkatholischen Dialogkommission. Aus verschiedenen Altkatholischen Kirchen lagen dazu Stellungnahmen vor. Die IBK bedauerte, dass von Rom bis jetzt noch keine Reaktion auf das Dialogpapier vorliegt.

Die Gespräche mit der Mariawitischen Kirche in Polen werden weitergeführt. Weiterhin ein Thema ist die Frage des Filioque und die wenig ausgeprägte bischöflich-synodale Struktur der Kirche. Es soll auch weiter an der Beziehung zwischen der Polnisch-Katholischen Kirche und der Mariawitischen Kirche gearbeitet werden. Das nächste Gespräch ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

Die Mission de France hat sich neue Strukturen gegeben. Sie hat eine Nationale Gesellschaft gegründet, deren Mitglieder aus den lokalen Gesellschaften bestehen. Die Arbeit in den Gemeinden wird vor allem durch Studientreffen für die Priester, sowie Bildungsprogramme für Laien gefördert. Es geht dabei vor allem darum, die Kenntnisse in Altkatholizismus und altkatholischer Liturgie zu vertiefen. Die Mission de France befindet sich auf einem vielversprechenden Weg, muss aber weiter begleitet werden.

Die IBK hat sich auch mit der Zukunft der Internationalen Altkatholikenkongresse beschäftigt. Die Organisation wird erneuert, indem von der durchführenden Kirche ein Ortsausschuss ernannt wird, der durch zwei oder drei internationale Mitglieder ergänzt wird. Diesem Ausschuss unterliegt die ganze Durchführung des Kongresses. Über das Thema der Kongresse entscheidet die IBK zusammen mit dem Ortsausschuss. Der bisherige Ständige Kongressausschuss soll aufgelöst werden. Der nächste Kongress wird vom 18. bis 21. September 2014 in den Niederlanden stattfinden. Dabei wird auch das 125jährige Bestehen der Utrechter Union gefeiert. Durch einen verkürzten Kongress über ein Wochenende erhofft sich die IBK ein grösseres Interesse an der Teilnahme.

Die Internationale Liturgische Kommission hat ihre Arbeit an den Weiheriten abgeschlossen. Da durch die Überarbeitung festgestellt worden war, dass in den Kirchen die bestehenden Riten als bestmögliche Variante betrachtet werden, wurde die Kommission mit Dank entlassen. Über weitere Aufgaben wird an der nächsten Sitzung beraten.

Die IBK beschäftigte sich auch mit dem Entwurf eines Papiers des Anglican – Old Catholic Coordinating Council (AOCICC) über Gemeinsamkeiten in der Ekklesiologie der beiden Kirchen. Der Text wurde ausführlich besprochen, und die Reaktion der Bischöfe wird für die Fertigstellung des Papiers an den AOCICC weitergeleitet.

Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen bildete die Frage der Möglichkeit zur Mitarbeit kleiner Gemeinschaften in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), die tendenziell stark von den grossen protestantischen Kirchen dominiert ist. Für kleine kirchliche Gemeinschaften wird es immer schwieriger, ihre Stimme in den zahlreichen Fachkommissionen hören zu lassen. Es fehlt ihnen zum einen an den finanziellen Möglichkeiten, um Delegierte an die vielen kostspieligen Sitzungen zu schicken, andererseits verfügen sie auch nicht immer über die gesuchten Fachkräfte, um sich in diesen Kommissionen einzubringen.

Die Bischofskonferenz war sich darüber einig, dass ein Pool an qualifizieren Laien zusammengestellt werden soll, die für die Mitarbeit in Fachgremien zur Verfügung stehen. Weiter sollen sich die altkatholischen Kirchen vor allem an der theologischen Arbeit der KEK beteiligen, insbesondere dort, wo sie einen Beitrag zur Kircheneinheit in Europa leisten und zur Entwicklung einer gemeinsamen Ekklesiologie beitragen können.

Erzbischof Vercammen orientierte auch über die Reorganisation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Die Arbeit der zuständigen Kommission, die sich für die weitere Vertretung kleiner Kirchen im Zentralkomitee einsetzte, wurde zurückgewiesen. Eine neue Kommission wird sich nun noch einmal mit dieser Frage befassen. Bereits deutlich ist, dass das Zentralkomitee weiterhin 150 Mitglieder umfassen wird. Sitzungen werden aber nur noch alle zwei Jahre stattfinden und das Gremium wird nur noch inhaltlich arbeiten.

Weiter konnte Erzbischof Vercammen melden, dass an der letzten Sitzung des Zentralkomitees zum ersten Mal ein konfessionelles Treffen mit den Vertretern der Philippinischen Unabhängigen Kirche stattgefunden hat.

 

Bern/Amersfoort Juli 2011                                                                                     Maja Weyermann

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