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Christkatholische Kirche macht sich mit neuer Leitung auf den Weg in die Zukunft

Am 17. und 18. Juni 2011 tagte die Nationalsynode der Christkatholischen Kirche im aargauischen Wettingen. In den Gebäuden des ehemaligen Klosters stellten die Delegierten Weichen, die die Zukunft der Kirche nicht unwesentlich beeinflussen werden.

Neue Zusammensetzung des Synodalrates

Mit der weitgehenden Neubesetzung eines Leitungsgremiums geht immer auch eine neue Leitungskultur einher. Dies steht auch in der Christkatholischen Kirche bevor, wurde doch die Hälfte der Sitze im Synodalrat neu besetzt. Gewählt wurden Frau Manuela Petraglio-Bürgi (Magden, siehe Bild), Herr Peter Hagemann (Steffisburg), Herr Franz Murbach (Neuchâtel), Pfr. Michael Bangert (Basel) und Pfr. Christoph Schuler (Bern). Frau Petraglio löst nach über zwanzig Jahren den zurückgetretenen Urs Stolz als Präsidentin des Synodalrats ab. Damit bekleidet zum ersten Mal eine Frau die höchste Leitungsfunktion in der Christkatholischen Kirche neben dem Bischof. Das Präsidium des Synodalrats wird immer von einem Laien besetzt.

50 Jahre Hilfswerk Partner sein

Grosse Aufmerksamkeit erhielt auch die Feier zum 50jährigen Bestehen des Hilfswerks ‚Partner sein‘, das 1972 durch einen Beschluss der Synode ins Leben gerufen worden ist. Bis 2010 wurden unter anderem auch altkatholische und orthodoxe Projekte in Europa unterstützt, heute arbeitet das Hilfswerk vor allem mit anglikanischen Bistümern und Institutionen in Afrika und mit der Philippinischen Unabhängigen Kirche zusammen. Durch die Übernahme aller Verwaltungskosten durch die Gesamtkirche, kommt jede Spende vollständig den unterstützten Projekten zugute. ‚Partner sein‘ unterstützt jährlich bis zu 30 Projekte mit einer Gesamtsumme von gegen 200‘000 Fr.

Beim Festakt wurde darauf hingewiesen, dass auch die Hilfswerke ‚Fastenopfer‘ und ‚Brot für alle‘ und sogar die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (DEZA) dieses Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiern dürfen. Darauf wies insbesondere Martin Dahinden, der Direktor des DEZA in seiner Festrede hin und betonte, dass der Anfang der 70er Jahre einen Aufbruch im Bezug auf die Entwicklungszusammenarbeit dargestellt hätten. Er sagte, dass die Zusammenarbeit mit den Partnern in der ganzen Welt trotz weiterbestehender Armut und mangelnder Versorgung doch auch viele positive Resultate vorweisen könne. Er merke auch immer wieder ganz stark, dass das DEZA und das relativ kleine Hilfswerk ‚Partner sein‘ dieselben gemeinsamen Werte verbinden würden: Die christliche Solidarität, die eine starke Triebfeder sei, um sich dafür einzusetzen, dass alle an den Ressourcen der Erde teilhaben können.

Auch der zweite Redner, Augustin Bahaya Cimole, ein Projektpartner von ‚Partner sein‘ aus der Demokratischen Republik Kongo lobte die Zusammenarbeit in einem emotionalen und ausführlichen Statement.

Der dritte Redner, Loek Wagenaar von der Internationalen Altkatholischen Diakonie und Mission lobte die Arbeitsweise von ‚Partner sein‘, die nicht nur in der Überweisung von Geld bestehe, sondern von Anfang an auch darin bestanden habe, dass die Projekte durch Besuche und persönliches Engagement begleitet worden seien. Dies hätten die anderen altkatholischen Hilfswerke in Europa erst später erkannt. In der Zwischenzeit koordinieren die verschiedenen altkatholischen Hilfswerke ihre Hilfsprojekte.

Christkatholisches Studentenheim

Nach einer emotionalen Diskussion bewilligte die Synode die umfassende Sanierung des Studentenheims. Seit 1970 stellt die Christkatholische Kirche in Bern in einem eigenen Haus Zimmer für Studierende zur Verfügung. In erster Linie als Unterkunft für die eigenen Theologiestudierenden an der Universität Bern gedacht, finden immer auch Studierende anderer Richtungen ein günstig gelegenes Zimmer, was den Bewohnern eine Horizonterweiterung ermöglicht. Bischof und Synodalrat sehen im Erhalt des Studentenheims, das dringend einer Totalsanierung bedarf, nicht nur eine Investition in die eigene Zukunft, sondern auch eine öffentliche Dienstleistung, die die Christkatholische Kirche als Landeskirche erbringt. Das durch Spenden, Sammlungen und zinslose Darlehen finanzierte Vorhaben wird eine Million Franken kosten. Die Bauarbeiten werden Anfangs Juli beginnen und sollen ab Frühling 2012 dann einer nächsten Generation von Studierenden zur Verfügung stehen.

 

‚Utrechter Euro‘

Die Utrechter Union ist die Gemeinschaft der Altkatholischen Kirchen. Ihre Bischöfe arbeiten in der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz (IBK) zusammen. Eine ihrer Grundaufgaben ist das Einbringen der altkatholischen Vorstellung von Kirche in der Ökumene und die Arbeit an der Wiedervereinigung der Kirchen. Dies ist mit vielen internationalen Konferenzen und Gesprächen verbunden. Mit der steigenden Teuerung wurde die Erfüllung dieser Aufgabe aber zunehmend durch die fehlenden Mittel beschränkt. Um hier Abhilfe zu schaffen, beschloss die Synode der Christkatholischen (Altkatholischen) Kirche der Schweiz der IBK zusätzlich pro Jahr einen Euro pro Kirchenmitglied für die ökumenische Arbeit zur Verfügung zu stellen. Dieser Beitrag wurde vorerst auf fünf Jahre begrenzt und die Synode erwartet einen jährlichen Rechenschaftsbericht und  wenn möglich eine ähnliche Beteiligung der anderen altkatholischen Kirchen an den Kosten. Dieser Beschluss ist als ein Zeichen zu werten, dass die christkatholische Kirche die internationale Arbeit unterstützt und darin einbezogen werden möchte. Zugleich wurde der deutliche Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass man mehr Informationen darüber wünscht, was auf internationaler Ebene gearbeitet wird.                                      

 

Maja Weyermann

Informationsbeauftragte der Christkatholischen Kirche der Schweiz

Foto: Jean-Drummond-Young

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