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Communiqué der Sitzung der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz in Prag/CZ 2003

Die in der Utrechter Union vereinigten Bischöfe der Altkatholischen Kirchen versammelten sich vom 16. - 22. November in Prag zu ihrer jährlichen Sitzung. Neben den üblichen Traktanden und Berichten mussten sich die Bischöfe auch mit einigen schwierigen Geschäften auseinandersetzen.

 

Während des ersten Teiles der Konferenz waren zwei Gäste aus der Anglican Communion, Carlos Lopez-Lozano, Bischof der Spanish Reformed Episcopal Church, und Bischof Jonathan Gledhill, Beauftragter des Erzbischofs von Canterbury für die Kontakte mit den Altkatholischen Kirchen, anwesend. Er informierte die IBK auch über die gegenwärtige Situation innerhalb der Anglican Communion. Als Referent für das Schwerpunktthema, das sich mit Möglichkeiten und Grenzen einer kleinen Kirche in einer säkularen Gesellschaft beschäftigte, durfte auch Dr. Tom Best von der Abteilung Faith and Order des Weltkirchenrates begrüsst werden.

 

Ein grosser Teil der Traktanden betraf die Beziehungen mit anderen Kirchen, insbesondere mit der Anglikanischen Kirche. Dabei wurde über die Konsequenzen für die Beteiligung altkatholischer Bischöfe an der Handauflegung bei anglikanischen Bischofsweihen, an denen auch Bischöfe aus Kirchen teilnehmen, die mit den Altkatholischen Kirchen nicht in Gemeinschaft stehen, gesprochen. Dazu äusserten sich die Bischöfe in einem Statement wie folgt:

 

Auf Grund der "Bonner Vereinbarung" von 1931 nehmen die Bischöfe der altkatholischen Kirchen der Utrechter Union an der Weihe anglikanischer Bischöfe teil. In den letzten Jahren haben mehrere anglikanische Kirchen volle kirchliche Gemeinschaft mit anderen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften aufgenommen (vgl. z.B. die "Porvooer Gemeinsame Feststellung"). Angesichts dieser Entwicklung erklärt die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz:

1.      Im Rahmen der "Bonner Vereinbarung", welche die Beziehungen zwischen einzelnen altkatholischen und anglikanischen Kirchen regelt, werden die altkatholischen Bischöfe weiterhin an anglikanischen Weihen teilnehmen. Das schliesst auch jene Weihen ein, in denen nichtanglikanische Bischöfe an der Handauflegung teilnehmen.

2.      Die Teilnahme altkatholischer Bischöfe an solchen Weihen impliziert nicht, das entweder die Utrechter Union als Ganze oder einzelne altkatholische Kirchen in voller kirchlicher Gemeinschaft mit jenen nichtanglikanischen Kirchen stehen, deren Bischöfe ebenfalls an der Handauflegung teilnehmen.

3.      Die IBK gibt ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Kirchen der "Anglican Communion" bei dem Abschluss und der Umsetzung von Vereinbarungen über volle kirchliche Gemeinschaft zwischen anglikanischen Kirchen und anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften mit der Gemeinschaft der altkatholischen Kirchen Konsultationen aufnehmen.

 

Hinsichtlich der Beziehungen mit der Anglikanischen Kirche wurde auch über das Problem der sich überschneidenden Jurisdiktionen in Europa diskutiert. Dies entsteht dadurch, dass auf dem europäischen Kontinent Bischöfe der Anglikanischen und Altkatholischen Kirchengemeinschaften für dasselbe Gebiet zuständig sind, obwohl sie miteinander in voller kirchlicher Gemeinschaft stehen. Es soll nun versucht werden Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Ein weiterer Punkt war die im Jahr 2006 anstehende Feier zum 75jährigen Jubiläum des Bonn Agreements. Stark befürwortet wurde eine offizielle Feier mit Gottesdienst während des im selben Jahr in Freiburg im Breisgau stattfindenden Altkatholikenkongresses. Ob noch eine weitere Feier in Utrecht oder Canterbury stattfinden wird, ist noch unklar. Weiter soll für den Herbst 2005 auch die Planung einer gemeinsamen Theologenkonferenz zur anglikanischen und altkatholischen Ekklesiologie ins Auge gefasst werden.

 

Mit der Römisch-katholischen Kirche werden auf internationaler Ebene Gespräche aufgenommen. Eine vorbereitende Kommission mit Theologen und Theologinnen beider Kirchen hat eine Liste der zu behandelnden Themen ausgearbeitet, die die Bischofskonferenz gutgeheissen hat. Die gemischte Gesprächskommission sollte im ersten Quartal des nächsten Jahres zu einer konstituierenden Sitzung zusammenkommen können.

 

Erzbischof Vercammen berichtete über den Besuch, den er im September zusammen mit Prime Bishop Nemkovich und Prof. Urs von Arx dem Patriarchen von Konstantinopel abgestattet hat. Neben den Punkten, die von Orthodoxer Seite als Probleme im Hinblick auf die Beziehungen zwischen den Orthodoxen und den Altkatholischen Kirchen betrachtet werden, kam auch die zukünftige Gestaltung dieser Beziehungen zur Sprache. Die Bischofskonferenz unterstützte den von der altkatholischen Delegation in Konstantinopel gemachten Vorschlag zur Errichtung eines gemeinsamen Organs, das diesen Beziehungen Form und Inhalt geben soll. Der Vorschlag wurde auch von orthodoxer Seite mit Interesse aufgenommen. Eine Antwort darf gegen Ende dieses Jahres erwartet werden.

 

Auch über seinen Besuch bei der Unabhängigen Philippinischen Kirche anlässlich ihres 100-Jahr Jubiläums im Jahr 2002 informierte der Erzbischof die IBK.  Zur Pflege des theologischen Austausches und zur Intensivierung der Beziehungen wird ein Theologe für einen Vorlesungszyklus auf die Philippinen reisen.

 

In einem weiteren Traktandum genehmigten die Bischöfe das von der Internationalen Liturgischen Kommission erarbeitete Formular für die Kirchweihe. Mit herzlichem Dank für die grosse Arbeit wurde die bisherige Kommission aufgelöst. Eine Nachfolgekommission mit neuen Mitgliedern und einer neuen Aufgabenstellung wird die Arbeit weiterführen.

 

Das wichtigste und zugleich schwierigste Geschäft der diesjährigen Bischofskonferenz war die durch den Beschluss der Sitzung der IBK in Wislikofen im Jahr 1997 verlangte Beratung und Prüfung der Situation innerhalb der Utrechter Union, in der nicht mehr alle Mitgliedskirchen in voller kirchlicher Gemeinschaft miteinander standen. Nach intensiver Analyse und Beratung verschiedener Lösungsansätze stellte sich die Mehrheit der Bischöfe hinter das folgende Statement.

Da sich die Polish National Catholic Church (PNCC) in den USA und in Kanada nicht in der Lage sah, die kirchliche Gemeinschaft mit jenen Kirchen der Utrechter Union, die die Frauenordination einführten, aufrecht zu erhalten, sah sich die IBK im Jahr 1997 genötigt, eine Frist von maximal sechs Jahren zu setzen, binnen welcher auf die Wiederherstellung der im Statut verlangten kirchlichen Gemeinschaft hingearbeitet werden sollte. Da dies nicht gelang, stellt die IBK mehrheitlich Folgendes fest:

  1. An der Sitzung der IBK vom 16.-22. November 2003 in Prag haben wir festgestellt, dass die volle kirchliche Gemeinschaft, wie sie im Statut der IBK definiert ist, nicht wiederhergestellt werden konnte, und dass daraus als Konsequenz die Trennung unserer Kirchen folgt.
  2. Wenn sich in der Zukunft von einer der beiden Seiten eine Möglichkeit ergibt, die kirchliche Gemeinschaft wiederherzustellen, wird die andere Seite davon unverzüglich benachrichtigt.
  3. Der Erzbischof von Utrecht [Dr. Joris Vercammen] führt die mit dieser Feststellung verbundenen notwendigen Schritte aus.

Wie sich dieses Statement nun auf die altkatholischen Kirchen der Utrechter Union (die Kirchen in den Niederlanden, in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen und der Slowakei einerseits und die Kirche in den USA und in Kanada andererseits) auswirken wird, muss in den nächsten Monaten abgeklärt werden.

 

Die nächste Sitzung der Bischofskonferenz wird vom 27. Juni bis 3. Juli 2004 in der Schweiz stattfinden.

Amersfoort und Bern, den 29. November 2003

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