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Dritte Konsultation der Mar Thoma Syrian Church und der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union

Die Kommission für den Dialog zwischen der Mar Thoma Syrian Church (Mar-Thoma-Kirche) und der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union traf sich im Mar Thoma retreat Centre (Munnar, Kerala, Indien) vom 17. bis 19. Februar 2014. Vor dem Treffen nahmen die Delegierten an der jährlichen Maramon Convention teil, wo sie am Gottesdienst teilnahmen und Predigten von Geistlichen der Mar-Thoma-Kirche sowie internationalen Sprechern hörten. Die altkatholische Delegation wurde ausserdem von der Bischofssynode und dem Sabha Council [Exekutive] der Mar-Thoma-Kirche empfangen und vom Metropoliten Dr. Joseph Mar Thoma mit einer Grussbotschaft angesprochen. Die Mitglieder der Kommission sind äusserst dankbar für die grosszügige Gastfreundschaft der Mar-Thoma-Kirche, ihres Metropoliten, ihrer Bischöfe, Geistlichen und Laien, während dieser Tage. Diese Gastfreundschaft auf spiritueller und praktischer Ebene während des Treffens war ein wichtiges und inspirierendes Vorbild für die Gastfreundschaft und die einladende Haltung der beiden Traditionen gegenüber der je anderen.

Während des Treffens wurden die folgenden Themen angesprochen: Die Rezeption ökumenischer Konzile; die Rolle von Symbolen und Bildern im Leben der Kirche; Inkulturation; Glauben, Leben, Praxis und Ethik; und ein Ausblick auf die Zukunft der Beziehung zwischen den beiden Kirchen. Damit folgte die Kommission der Agenda, die sie an ihrem Treffen vom 7,.11. November 2011 im Santhigiri Ashram (Aluva, Kerala, Indien) aufgestellt hatte, und brachte sie zum Abschluss. Theologen beider Kirchen referierten über alle diese Themen. Es gab Anlass zu grosser Dankbarkeit, dass es so viel gegenseitiges Wiedererkennen der beiden Kirchen in der Position des anderen gab. Es herrschte der Eindruck vor, der Dialog helfe den beiden Kirchen, den Glauben der frühen Kirche für die Gegenwart neu zu rezipieren. In diesem Statement werden kurze Skizzen der Positionen der jeweiligen Traditionen dargelegt als auch eine Formulierung des erreichten Konsenses. Die Delegation der Mar-Thoma-Kirche bestand aus Bischof Dr. Zacharias Mar Theophilos, Suffraganmetropolit (Co-Vorsitz), Bischof Dr. Isaac Mar Philoxenos, Prof. Dr. K. G. Pothen, Pfr. Sam T. Koshy und Pfr. Shiby Varghese; die Delegation der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union bestand aus Bischof Dr. John Okoro (Co-Vorsitz), Bischof Dr. Harald Rein (Beobachter), Pfr. Dr. Adrian Suter und Prof. Dr. Peter-Ben Smit.

Rückblick auf den Dialogprozess

Am Ende dieser Phase des Dialogs ist es möglich, die bisherigen Ergebnisse Revue passieren zu lassen und auf dieser Basis Folgerungen zu formulieren. Deswegen wird hier ein systematisierender Rückblick auf den bisherigen Dialogprozess vorgelegt:

  1. Die Mar-Thoma-Kirche und die altkatholischen Kirchen der Utrechter Union sind beide in voller Kirchengemeinschaft mit der Anglikanischen Kirchengemeinschaft. Deswegen konzentrierte sich die Kommission auf bestimmte Diskussionsbereiche, entweder weil diese potenziell kontrovers  schienen, oder weil die Kommission hoffte, eine Diskussion darüber wäre besonders bereichernd. Jedoch schien ein systematischer Ansatz, der alle Aspekte des Glaubens abdeckt, nicht notwendig.
  2. Die zwei Kirchen haben in ihrer Geschichte sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. Die Mar-Thoma-Kirche ist in der syrischen Tradition verwurzelt und in der Tradition ihrer Reformation von 1836, die von der „Church Mission Society“ [anglikanische Missionsgesellschaft] beeinflusst war. Obwohl die Kirche von 1599 an unter portugiesischer und [damit] römisch-katholischer Hegemonie war, setzte sie ihre Autokephalie 1653 durch. Die altkatholischen Kirchen sind in der Lateinischen katholischen Tradition verwurzelt, sie verstehen sich in Kontinuität mit verschiedenen konziliaren Bewegungen in der Westkirche, die mit dem römischen Stuhl und dessen Universalanspruch. Ihre Existenz ausserhalb der gemeinschaft mit der römischen Kirche begann 1723 in den Niederlanden und nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) in anderen Ländern.
  3. Beide Kirchen unterstreichen die Wichtigkeit, in der Tradition der Alten Kirche verwurzelt zu sein. Für die Mar-Thoma-Kirche sind die Ökumenischen Konzilien von Nicäa, Konstantinopel und Ephesus von grosser Wichtigkeit und es wird ihrer in der Eucharistiefeier (Qurbana) und den übrigen Sakramenten gedacht.  Die theologischen Reflexionen innerhalb der Mar-Thoma-Kirche haben zu einer Wiederentdeckung des Reichtums der frühen syrischen Glaubenslehrern geführt. Die altkatholischen Kirchen beziehen sich auf die sieben Ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends, wobei sie anerkennen, dass die späteren Konzilien nur den Glauben weiterentwickeln wollten, den die frühen Konzilien bekannt hatten. Eine Wiederentdeckung der östlichen patristischen Tradition hat altkatholisches Denken stark beeinflusst.
  4. Beide Kirchen halten die Wichtigkeit partizipatorischer Entscheidungsfindung und die Verantwortung von sowohl Geistlichen als auch Laien aufrecht. In der Mar-Thoma-Kirche sind die Hauptentscheidungsgremien die Bischofssynode, das Sabha Council und die Generalversammlung „Prathinidhi Mandalam”; letztere beide umfassen eine Mehrheit von Laienmitgliedern. Altkatholische Kirchen haben ihre nationalen Synoden, in denen ebenfalls die Laien in der Mehrheit sind, sowie verschiedene andere nationale Gremien und die Internationale Bischofskonferenz.
  5. Was potenziell kontroverse Themen angeht, ist die Kommission erfreut, in allen Diskussionen zu substanzieller Einigung gekommen zu sein: In der Christologie ist der Glaube substanziell gleich, obwohl die altkatholische Theologie es sich gewohnt ist, sie in Begriffen des Chalcedonense auszudrücken, während das in der Theologie der Mar-Thoma-Kirche nicht der Fall ist. In der Frage von Schrift und Tradition konnte ebenfalls Konsens erreicht werden. In der Theologie der Sakramente, der Stellung der Mutter des Herrn und der Heiligen, des Gedächtnisses der Verstorbenen sowie der Theologie der Symbole und Bilder, gibt es zwar Unterschiede in Praxis und Interpretation, doch der zugrunde liegende Glaube ist gleich. Was weitere Unterschiede im Leben der Kirche und im ethischen Verständnis angeht, so sind diese klar auf kulturelle Unterschiede zwischen Indien,d er Heimat der Mar-Thoma-Kirche, einerseits, und West- und Mitteleuropa, der Heimat der altkatholischen Kirche, andererseits, zurückzuführen. – Die Entdeckung, dass in diesen potenziell kontroversen Themen Konsens erreicht werden konnte, hat das gegenseitige Vertrauen vertieft und den Willen gestärkt, auf dem gemeinsamen ökumenischen Weg auf die Einheit hin weiter fortzuschreiten.
  6. Was gegenseitige Bereicherung angeht, erwiesen sich die Diskussionen über Spiritualität, Mission und Inkulturation als besonders interessant. Die Interaktion zwischen unterschiedlichen theologischen Methoden und Ansätzen war sehr fruchtbar, und es war eine speziell bereichernde Erfahrung, zu sehen, dass sie zu sehr ähnlichen Ergebnissen führten. Historische Hintergrundinformationen zu den Wurzeln und der Entwicklung der beiden Traditionen war äusserst hilfreich, um die Theologie und die Praxis der beiden Kirchen zu verstehen. Hilfreich für den Dialog war ausserdem die Beteiligung beider Kirchen an der weiteren ökumenischen Bewegung und ihre Selbstverpflichtung gegenüber dem ökumenischen Anliegen.

Abschliessende Überlegungen

Die Mitglieder der Kommission freuen sich über die spirituelle Gemeinschaft, die sie erfahren haben, über den gegenseitig bereichernden Austausch von Ansichten und die freundlichen Diskussionen. Auf der Basis dieser Konsultation und der früheren Treffen der Dialogkommission sind die Mitglieder der Kommission zur Überzeugung gelangt, dass die zwei Kirchen den gleichen Glauben teilen, welcher auch der Glaube der Alten Kirche ist. Aus diesem Grund halten sie die formelle Einsetzung einer Gemeinschaftsbeziehung, in Analogie der Beziehung beider Kirchen mit den Kirchen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, für eine klare und höchst wünschenswerte Möglichkeit. Mit diesen Schlussbemerkungen unterbreitet die Kommission diese Erklärung respektvoll der Bischofssynode der Mar-Thoma-Kirche und der Internationalen Bischofskonferenz der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union zur weiteren Erwägung. Wir hoffen, dass wir durch den Beistand des Heiligen Geistes dabei mitgeholfen haben, mehr Aspekte der Einheit im Glauben unserer Kirchen zu entdecken, und freuen uns darauf, diesen ökumenischen Weg als Kirchen in Gemeinschaft weiterzugehen.

Auszug aus der „Munnar-Erklärung“ der Konsultation der Mar-Thoma-Kirche und der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union, Mar Thoma Retreat Centre, Munnar, Kerala, Indien, 17.-19. Februar 2014. Übersetzung aus dem Englischen: Pfr. Dr. Adrian Suter.

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